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Realistische Rendite

Aus Zen Investor
Version vom 27. Februar 2026, 02:48 Uhr von Value Investor (Diskussion | Beiträge)
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Welche Rendite kann ein Investor realistisch an den Aktien-Börsen erwarten?

Dazu wollen wir hier einerseits die historischen Renditen grosser Märkte vor allem in Europa und Nordamerika anschauen. Andererseits wollen wir auch schauen, was Value Investoren geschafft haben und auch woher die Renditen kommen könnten.

Allgemeines zu Renditen

Langfristige Renditen grosser Aktienmärkte

Schweiz

Der SPI wurde am 1.Juni 1987 auf 1'000 Punkte gesetzt. Zum 31.Dezember 2022 stand der SPI bei 13’734,86 Punkten.

Das entspricht 1'273% Gesamtrendite (mit Dividenden) oder 7,66% p.a. (die 35.5-Wurzel aus 13,735).

Deutschland

Der DAX wurde 1988 bei der Einführung rückwirkend per 31.Dezember 1987 auf 1'000 Punkte festgesetzt und erreichte in den ersten 35 Jahren bis zum 31.Dezember 2022 einen Stand von 13’923,59 Punkten.

Das entspricht einer Gesamtrendite von 1'292% (mit Dividenden), was 7,81% p.a. entspricht (Wurzel 35 aus 13,92359).

USA

Der S&P 500 startete am 31.Dezember 1987 mit 247,08 Punkten und erreichte ende 2022 3’839,50 Punkte.

Das entspricht 1'454% Gesamtrendite (ohne Dividende) oder 8,15% p.a. (die 35-Wurzel aus 15,5395).

Renditen bekannter Investoren

Warren Buffett

Warren Buffett schaffte von ende 1950 bis 1960 rund 50% pro Jahr, wie er am Berkshire Hathaway Annual Shareholders Meeting im Jahr 2001 sagte.[1]

Im Zeitraum vom 1.Oktober 1995 bis 30.September 2005 schaffte Warren Buffett durchschnittlich 18,9% pro Jahr (wobei in dieser Zeit auch die dotcom-Blase geplatzt ist) und von 1965 bis 2005 schaffte er im Durchschnitt 21,9% pro Jahr.[2]

Warren Buffett sagte 1999 und in den Folgejahren auch mehrfach aus, er würde heutzutage mit einer kleinen Summe Geld, dh maximal 10 Millionen US-Dollar, Renditen von 50% pro Jahr schaffen. Er garantiere das.[3][4][5][6][7][8]

Gegenargumente der Kritiker

Häufig wird pauschal der Erfolg von Warren Buffett klein geredet. Typische Argumente sind dabei:

  1. Er hatte einfach nur Glück. Es gibt immer einen unter Millionen Anlegern die sehr viel Glück haben.
  2. Das funktionierte damals, mitte des 20.Jahrhunderts, aber Warren Buffett würde das heute nicht mehr schaffen.
  3. Nur weil er das kann, heisst das nicht, dass man das nachmachen könnte.
Widerlegung der Kritiker

...

Mohnish Pabrai

...

Joel Greenblatt

...

Walter Schloss

...

10-20% Rendite als Ziel

Zen Investor glaubt, dass mit einer guten Value Strategie Renditen von 15-20% dauerhaft möglich sind (im langjährigen Durchschnitt).

Er selbst hat sich (Stand 2026) das Ziel von 17,5% p.a. gesetzt, dies entspricht einer ver-fünf-fachung alle 10 Jahre.

Herkunft der Rendite

Hier wird anhand der fiktiven Beispiel AG erklärt, woher die Rendite von Aktien her kommt.

Alpha AG und Omega AG

Wir vergleichen hier die beiden fiktiven Unternehmen Alpha und Omega.

Alpha und Omega haben folgende Eigenschaften:

Vergleich Alpha AG und Omega AG
Alpha AG Omega AG
Eigenkapital

pro Aktie 31.12.2023

75,13 86,3838
Eigenkapital

pro Aktie 31.12.2026

100 100
Aktienkurs

01.03.2027

280,00 80,00
KBV 2,80 0,8
3-Jahres-KGV 28 16
3-Jahres-EKR 10% 5%
Branche / Tätigkeit Entwicklung im Bereich künstliche Intelligenz Produktion Bürostühle und Bürotische

Wenn man nun die beiden Unternehmen vergleicht, fallen folgende Unterschiede auf:

  • Alpha AG hat 10% EKR, Omega AG nur 5%.
  • Alpha AG ist verhältnismässig teurer an der Börse als die Omega AG.
  • Alpha AG ist in einer Zukunftsbranche tätig (künstliche Intelligenz), während Omega AG nur langweilige Bürostühle und Bürotische herstellt.

Rechnet man die Unternehmensgewinne weiter in die Zukunft, sähe es so aus:

Die Alpha AG hätte ende 2029 ein Eigenkapital von 133,10 CHF, während die Omega AG nur ein Eigenkapital von 115,76 CHF haben wird.

Die Alpha AG würde im Jahr 2030 (bei 10% EKR) einen Gewinn von 13,31 CHF pro Aktie, während die Omega AG einen Gewinn von 5,79 CHF pro Aktie zu erwarten hat.

Nun scheint es logisch, dass die Aktien der Alpha AG das bessere Investment wären, denn sie machen über die nächsten Jahre höhere Gewinne, wachsen schneller und sind erst noch in einer zukunftsträchtigen Branche aktiv.

Ein Value Investor würde jedoch das anders angehen und sich fragen, welches Investment mehr Value, innerer Wert, hat.

Wenn wir vereinfacht davon ausgehen, dass jedes Unternehmen einen fairen Wert vom 20-fachen des durchschnittlichen Jahresgewinns oder das 2-fache des Eigenkapitals, so können wir wie folgt rechnen:

Der Unternehmensgewinn pro Aktie bei Alpha AG ist über die nächsten 3 Jahre insgesamt 33,10 CHF, und dafür hat man 280,00 CHF für den Erwerb der Aktie bezahlt.

Die Omega AG hingegen hat nur 80 CHF pro Aktie gekostet und wirft innert dreier Jahre 15,76 CHF Gewinn ab.

Im ersten Fall zahlte man also mehr als das 8-fache des 3-Jahres-Gewinns, im anderen Fall nur das 5-fache.

Geht man hingegen von einem fairen Wert vom 20-fachen des Jahresgewinnes für eine Aktie aus, und von geschätzten Gewinnen von 13,31 CHF (10% von 133,10, Alpha AG) bzw 5,79 CHF (5% von 115,76, Omega AG) pro Aktie im Jahre 2030, so ergibt sich diese Rechnung:

Der faire Wert der Alpha AG im Jahr 2030 wäre demnach 13,31 * 20 = 266 CHF pro Aktie, und für die Omega AG 5,79 * 20 = 116 CHF pro Aktie.

Die Alpha AG erhält man aber für 280 CHF (und damit über dem mutmasslich fairen Wert des Jahres 2030), während die Omega AG für 80 CHF und damit rund 30% unter dem fairen Wert zu erhalten ist.

Befinden sich die Aktienkurse im Jahr 2030 ungefähr im fairen Bereich, so hätte man mit der Alpha AG einen leichten Verlust gemacht, während man mit der Omega AG einen Gewinn von fast 50% erwirtschaftet hätte.

Oder noch anders:

Die Alpha AG wird überproportional teuer verkauft. Der doppelte jährliche Gewinn führt hier zu mehr als 3-fachem Aktienkurs im Vergleich zur Omega AG.

Für höhere Gewinne bzw eine höhere EKR auch höhere Aktienkurse zu bezahlen ist natürlich sinnvoll, jedoch müssen die Zahlen-Verhältnisse gewahrt werden. Für den doppelten Gewinn das 4-fache zu bezahlen ist kontraproduktiv.

Manche mögen nun einwenden, dass die Alpha AG schneller wächst und daher die höhere Bewertung gerechtfertigt wäre. Dies trifft jedoch nicht zu, denn die höheren Gewinne sind ja schon im KGV und KBV-Entwicklung enthalten. Das muss nicht noch separat dazu gerechnet werden.

Schaut man nun weiter in die Zukunft, beispielsweise 10 Jahre ergibt sich dieses Bild (bei angenomener gleich bleibender EKR und Verzicht auf Dividende):

Das Eigenkapital oder der Buchwert pro Aktie der Alpha AG beträgt im Jahr 2036 259 CHF, während die Omega AG 163 CHF Eigenkapital pro Aktie hat. (Rechnung: 100*(1,1ˆ10) bzw 100*(1,05ˆ10) ).

Gibt es auch dann noch die gleiche Eigenkapitalrendite für die beiden Unternehmen wie heute, so würde die Alpha AG im Jahr 2037 einen Gewinn von 25,90 CHF und die Omega AG einen Gewinn von 16,30 CHF pro Aktie machen.

Bei den heutigen Aktienkursen von 280 CHF (Alpha AG) bzw. 80 CHF (Omega AG) hätte man also heute das 10,8-fache (Alpha AG, 280/25,90) bzw. das 5-fache (Omega AG, 80/16,30) für die Aktie bezahlt.

Das heisst, sogar nach 10 Jahren schlägt die günstigere Aktie mit nur halb so grossem Gewinn die viel teurere Aktie mit dem doppelten Gewinn.

Dieses Verhältnis kippt dann irgendwann nach 15 bis 20 Jahren. Aber bis in 20 Jahren kann sich vieles ändern, Unternehmen können konkurs sein, fusioniert werden, die Umstände haben sich geändert, das Geschäftsmodell wurde geändert, etc.

Es ist gut, sehr langfristig zu denken, aber die wahrscheinlichen Gewinne der nächsten 10 Jahre sind trotzdem stärker zu gewichten, als die viel unsicheren Gewinne, die erst in 20 Jahren eintreten.


Unternehmensgewinne

Nehmen wir an, ein Unternehmen schafft es, sein Vermögen jährlich um 7% zu steigern (Eigenkapitalrendite).

Damit die Bewertungen am Aktienmarkt gleich bleiben (beispielsweise gleiches KGV, gleiches KBV) müsste schon deshalb der Aktienkurs ebenfalls um 7% pro Jahr steigen.

Aufholen einer Unterbewertung

Die Beispiel AG (Daten sieh obige Tabelle) schafft also 7% EKR pro Jahr. Aber auch ihr Aktienkurs wurde vom Seitwärtsmarkt, der seit anfang 2022 herrscht, mit gerissen.

Der Aktienkurs der Beispiel AG stieg von 48 ende 2022 auf 220 bis 2030, wie obiger Tabelle zu entnehmen ist.

Aktien bewegen sich nach diversen Studien im Schnitt bei einem KBV von 1,8 bis 2,1 und einem mehrjährigen KGV von 18 bis knapp über 20.

Es ist schon länger bekannt, dass Aktien alle früher oder später um diesen Mittelwert herum pendeln. Es ist auch logisch, da der Investor etwas für sein Geld zurück haben möchte. Unterbewertungen entstehen durch Desinteresse am vermeintlich langweiligen Unternehmen oder weil es schlechte Nachrichten gab und die Marktteilnehmer die Zukunft sehr negativ einschätzen.

Sobald sich das legt, erholt sich der Kurs wieder.

Wenn also die Unterbewertung aufgeholt wird, muss der Aktienkurs stärker steigen als die Eigenkapitalrendite.

Im Falle der Beispiel AG steigt der Kurs von ende 2022 bis ende 2030 von 48 auf 220, während der Buchwert von 100 auf 171,82 und der Gewinn von 6,54 auf 19,57 steigt. Die Bewertung steigt aber beim KBV nur von 0,48 auf 1,28, das KGV von 7,3 auf 19,57, was beides vernünftige Bewertungen sind.

Während sich die Bewertung auf das 2,7-fache erhöht, und der innere Wert um 70% steigt, wächst der Aktienkurs im selben Zeitraum auf das 4,6-fache. Der Aktienkurs wächst also um das Produkt aus Bewertungssteigerung und Wertsteigerung (2,7 mal 1,7 = 4,6).

Dass die Unterbewertung früher oder später aufgeholt wird, weiss man aus 100 Jahren Value Investing.

Schon Benjamin Graham sagte 1955, dass der genaue Mechanismus ein Mysterium sei, aber schlussendlich realisiere der Markt den wahren Wert der Aktie auf die eine oder andere Weise.[9]

Nachkäufe

Durch Nachkäufe wird der durchschnittliche Einkaufspreis weiter gesenkt, was wiederum zu noch grösserem Aufholeffekt und damit höherer Gesamt-Rendite führt.

Hat jemand eine Aktie zu 100 gekauft, und diese sinkt nach dem Kauf, und man würde bei 75 für die gleiche Geldsumme nachkaufen und 10 Jahre später stünde der Aktienkurs bei 200 oder bei 300, so ändert sich die Rendite wie folgt:

Erstkauf bei 100, Gesamt-Rendite mit und ohne Nachkäufe
Anzahl

Aktien

total

Kauf-

summe

total

durchschn.

Kaufpreis

Rendite bei Erholung auf 100 Rendite bei Anstieg auf 200 Rendite bei Anstieg auf 300
Ohne Nachkauf 25 2'500 100,00 0% / 0,00 +100% / +2'500 +200% / +5'000
Mit Nachkauf bei 75 58 4'975 85,776 +16,6% / +825 +133% / +6'625 +250% / +12'425
Mit Nachkäufen bei 75 und 60. 141 9'955 70,603 +41,6% / +4'145 +183% / +18'245 +325% / +32'345

Der Kauf und Nachkauf würde für jeweils 2'500 erfolgen. Beim Kurs 100 wurden 25 Aktien und bei 75 weitere 33 gekauft. Beim Kurs 60 würden weitere 83 Aktien gekauft.

Bei einem Nachkauf hätte man somit 58 Aktien für total 4'975 gekauft und nach dem zweiten Nachkauf hätte man total 141 Aktien für insgesamt 9'955 gekauft. Damit sinken die durchschnittlichen Einkaufspreise auf 4975/58=85,776 mit einem Nachkauf und auf 9955/141=70,603 bei zwei Nachkäufen.

Gesamtrendite

Ein Unternehmen, dass in 5 Jahren den Aktienkurs von 100 auf 300 gesteigert hat, hat eine jährliche Rendite von 24,57% oder insgesamt 200%.

Ein Teil davon kam durch Gewinn- und Eigenkapitalsteigerungen, der Rest durch Aufholung der Unterbewertung.

Ohne Nachkäufe sind es also dank der Kombination aus Wertsteigerung und Bewertungserhöhung (Änderung der Multiplikatoren wie KGV und KBV) 200% Rendite über 5 Jahre verteilt.

Sank die Aktie am Anfang noch und es gab einen Nachkauf bei einem Kurs von 75 (siehe vorherigen Abschnitt), so steigt die Rendite von 200% auf 250% oder von jährlich 24,57% auf 28,47% p.a. .

Bei noch weiterem Kursrückgang und dadurch ausgelöstem zweiten Nachkauf bei 60 steigt die Rendite (siehe Tabelle im vorherigen Abschnitt) auf 325% oder 33,56% p.a. .

Ohne Nachkäufe und ohne Unterbewertung wäre dasselbe Unternehmen nur von 200 auf 300 gestiegen im selben Zeitraum, was 50% Gesamtrendite oder 8,44% p.a. entspräche.

Oder anders: Ein Unternehmen, dass 8,44% p.a. Steigerung des Gewinns und des Eigenkapitals erreicht, kann an der Börse trotzdem 24,57% (tiefe Bewertung) oder auch 33,56% einbringen (mit Nachkäufen).

Fazit

Wer in den breiten Markt investiert, wird wahrscheinlich in die Nähe der Marktrendite kommen. Bei einem Unternehmen, dass 7% p.a. wächst, wird auch der Aktienkurs (falls die Gewinne gleich hoch bleiben und die Börse die Aktie gleich bewertet) um etwa 7% p.a. wachsen.

Der den Kauf unterbewerteter Aktien und weitere Nachkäufe bei sinkenden Kursen steigert sich diese Rendite noch weiter. In obigem Beispiel von 7% auf 22,9% und durch die Nachkäufe weiter auf 27,9% p.a. .

Mit Value Investing sind langfristige dauerhafte Renditen von 10-15% p.a. durchaus möglich und realistisch.

Der Gewinn liegt im Einkauf, weiss ein guter Kaufmann.

Es ist Teil der Strategie von Zen Investor, Aktien nur dann zu kaufen, wenn sie relativ zum Gewinn und Buchwert günstig bewertet sind. Wie man bei der entsprechenden Analyse mit dem Value Calculator auch sieht, würde man diese Aktien erst zu einem Kurs unterhalb von 49 kaufen. Es kann also ausgeschlossen werden, dass so eine Aktie bei normaler Bewertung gekauft wird.

Siehe auch

Quellen